Es gibt ein Gefühl, das ich immer wieder beschreibe höre. Nicht in diesen Worten, aber in dieser Energie: Ich mache Marketing, ich versuche es wirklich – aber es fühlt sich einfach falsch an.
Falsch wie eine schlecht sitzende Jacke. Man trägt sie, weil man eine Jacke braucht. Aber man fühlt sich darin nicht wie man selbst.
Wenn dein Marketing sich so anfühlt, ist das kein Zeichen, dass du zu sensibel bist für den Job des Selbstständig-Seins. Es ist ein Signal. Und Signale sind dazu da, gelesen zu werden.
Hier sind die drei Muster, die ich am häufigsten sehe – und was sie dir eigentlich sagen wollen.
Zeichen 1: Du postest, weil du musst – nicht weil du etwas zu sagen hast
Das Datum sitzt im Nacken. Also wird irgendetwas veröffentlicht. Nicht weil ein Gedanke drängt, sondern weil der Posting-Plan es verlangt.
Du kennst diesen Zustand. Montag ist Posting-Tag, also öffnest du Canva, suchst dir ein Template raus und schreibst etwas – irgendetwas – das halbwegs nach deinem Thema klingt.
Das Problem ist nicht der Posting-Plan. Struktur ist gut. Das Problem ist, dass Marketing aus Pflicht auch nach Pflicht klingt. Die Leserin spürt das. Nicht bewusst, aber sie spürt, dass da niemand ist, der wirklich etwas mitteilen will.
Marketing, das wirkt, kommt aus einer Haltung: Ich habe etwas zu sagen, das meiner Zielgruppe wirklich weiterhilft. Wenn dieser Gedanke fehlt, ist der Content technisch korrekt – aber ohne Wirkung.
Was das Signal bedeutet: Dein Redaktionsplan ist nicht das Problem. Deine Content-Strategie fehlt. Du weißt noch nicht, was du regelmäßig sagen willst – und warum.
Zeichen 2: Du erkennst dich nicht mehr in dem, was du veröffentlichst
Du scrollst durch deinen eigenen Feed und denkst: Klingt das wirklich nach mir?
Es ist passiert ganz langsam. Ein Tipp von einer Kollegin: „Du musst mehr Tipps posten.“ Eine Webinar-Empfehlung: „Nutze diese Hook-Formel.“ Ein Algorithmus-Update: „Reels performen besser als Karussells.“ Also hast du dich angepasst. Und noch mal angepasst. Und noch mal.
Irgendwann postest du Inhalte, bei denen du selbst nicht mehr sicher bist: Glaube ich das eigentlich? Oder sage ich das, weil ich denke, ich muss es so sagen?
Diese Frage ist wichtig. Sie zeigt, dass du noch einen Sinn für dich selbst hast – dass du noch weißt, wenn du dich verbiegst.
Das Mimic-Problem ist real: Wir schauen uns an, was andere erfolgreich machen, und übernehmen es. Nicht aus Unehrlichkeit, sondern aus Unsicherheit. Wir wissen nicht genau, was uns von anderen unterscheidet. Also adaptieren wir.
Aber deine Stimme ist kein Nice-to-have. Sie ist dein wichtigstes Differenzierungsmerkmal. Besonders dann, wenn du in einer Welt voller ähnlicher Angebote arbeitest.
Was das Signal bedeutet: Deine Positionierung ist unklar. Nicht für andere, sondern für dich selbst. Bevor du weiter an deinem Marketing arbeitest, musst du wissen, wofür du stehst.
Zeichen 3: Du weißt nicht, ob das, was du tust, überhaupt etwas bewirkt
Keine Anfragen, obwohl du regelmäßig postest. Kein Feedback, das sich richtig anfühlt. Nur das leise Gefühl, in einen Raum zu sprechen, in dem niemand ist.
Oder: Du bekommst Likes. Vielleicht sogar Kommentare. Aber keine Anfragen. Keine Menschen, die sagen: Das klingt genau nach dem, was ich brauche.
Das ist eines der frustrierendsten Muster im Marketing kleiner Unternehmen: viel Aktivität, wenig Wirkung. Und meistens liegt es nicht am Fleiß. Es liegt an der Richtung.
Marketing ohne Strategie ist wie Autofahren ohne Ziel: Du bewegst dich, du verbrauchst Energie, aber du kommst nicht an. Wenn du nicht weißt, wen du ansprechen willst, mit welcher Botschaft, über welchen Kanal und mit welchem Ziel, dann ist es schwer zu messen, ob etwas funktioniert. Weil du gar keinen Maßstab hast.
Was das Signal bedeutet: Dir fehlt keine Umsetzung. Dir fehlt eine klare Strategie: Wer ist meine Zielgruppe konkret? Was ist meine Kernbotschaft? Welcher Kanal passt zu mir und zu meiner Zielgruppe? Und wie sieht Erfolg für mich aus?
Was all diese Zeichen gemeinsam haben
Sie sind keine Fehler. Sie sind Symptome.
Symptome dafür, dass das Marketing, das du gerade machst, nicht aus dir heraus gewachsen ist, sondern aus Ratschlägen, Trends und dem Gefühl, dass du irgendwie dabei sein musst.
Das ist kein Vorwurf. Es ist der normale Ausgangspunkt für fast alle Selbstständigen, die ich kenne. Marketing wird selten strategisch geplant. Es entsteht nebenbei. Man fängt mit Instagram an, weil alle auf Instagram sind. Man schreibt Tipps, weil Tipps performt haben. Man passt sich an und verliert dabei langsam den Faden zu sich selbst.
Vor allem für Coach*innen, Heilpraktizierende und Yogalehrer*innen fühlt sich Marketing oft falsch an.
Die gute Nachricht: Es lässt sich entwirren. Aber nicht mit mehr Content, mehr Posting oder mehr Tools.
Es fängt mit einer Frage an: Was will ich eigentlich sagen. Und zu wem?
Was jetzt?
Wenn du dich in einem oder mehreren dieser Zeichen wiedererkennst, dann ist der erste Schritt nicht ein neues Tool oder eine neue Plattform. Der erste Schritt ist Klarheit.
Klarheit darüber, wer deine Zielgruppe ist. Wofür du stehst. Warum jemand zu dir kommen sollte und nicht zur Kollegin. Und wie du das nach außen trägst. Auf eine Art, die sich richtig anfühlt.
Das ist die Arbeit, die ich mit meinen Kund*innen mache. Nicht Posing, nicht Hacks, nicht Copy-Paste-Strategien. Sondern Marketing, das zu dir passt und das deswegen auch wirkt.
Wenn du wissen möchtest, wo bei dir der Knoten sitzt: Ich biete Mini-Audits an, die genau das zeigen. In einem schriftlichen Bericht mit konkreten Handlungsempfehlungen – ohne Agentursprech, ohne überflüssige Folgeaufträge.
Häufige Fragen
Was bedeutet „wertebasiertes Marketing“ eigentlich?
Wertebasiertes Marketing bedeutet, dass die Art, wie du kommunizierst, zu dem passt, wofür du als Person und als Unternehmen stehst. Es bedeutet nicht, dass du keine Strategie oder keine Ziele haben sollst. Es bedeutet, dass deine Botschaften, dein Ton und dein Auftreten authentisch sind , weil sie aus dir heraus gewachsen sind und nicht aus einem Playbook, das jemand anderes für jemand anderes entwickelt hat.
Kann man Marketing lernen, auch wenn man es hasst?
Ja. Aber nicht durch mehr Tutorials. Sondern durch Klarheit. Die meisten Menschen, die Marketing hassen, hassen eigentlich die Version von Marketing, die sie bisher gesehen haben: laut, manipulativ, unauthentisch. Wenn du Marketing betreibst, das zu dir passt, fühlt es sich nicht mehr wie Marketing an. Es fühlt sich an wie Kommunikation.
Was ist der Unterschied zwischen Positionierung und Nische?
Deine Nische beschreibt, wen du ansprichst. Deine Positionierung beschreibt, warum jemand zu dir kommen sollte und nicht zur Konkurrenz. Beide sind wichtig, aber die Positionierung ist tiefer: Sie enthält deine Haltung, deine Arbeitsweise, dein Versprechen. Eine starke Positionierung macht Marketing leichter, weil du weißt, was du sagst und wem.
Wenn dein Marketing sich falsch anfühlt, ist das kein Versagen. Das ist ein Signal. Marketing, das sich richtig anfühlt, ist möglich.

